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Sonntag, 08.12.2019

Gottesdienst Sonntag | Pauluskirche | Paulus

Glockenprojekt Matthäuskirche Magdeburg

Allgemeines

Die Evangelische Matthäusgemeinde beabsichtigt, vor ihrem historischen Gebäude einen frei stehenden Glockenstuhl mit einem Ein-Glocken-Geläut zu errichten. Die Matthäuskirche geht auf das Jahr 1935 zurück und wurde Stil des „Neuen Bauwillens“, allerdings mit abgewandeltem („deutschem“) Walmdach errichtet, wie es rund um den Westernplan typisch ist. Im damals sehr stark wachsenden Siedlungsgebiet benötigte die Paulusgemeinde einen zweiten Standort und baute ein Gemeindehaus, das zu den größten Kirchenbauten seiner Zeit zählt. Es beherbergte einen Kirchsaal mit ca. 800 Plätzen, dazu kamen weitere Räumlichkeiten und Funktionsräume, außerdem war es Teil eines Gebäudekomplexes mit Pfarrhaus und Kindergarten.

Ein Kirchturm gehörte damals nicht zum Gebäudeensemble. Die Gründe dafür sind unbekannt, aber wahrscheinlich waren Nationalsozialismus wie Sozialismus gleichermaßen froh, dass die Kirche turmlos in den Schatten zurücktrat. Die Kriegseinwirkungen und die spätere Entwicklung in der DDR ließen gerade in der Bezirkshauptstadt Erwägungen zur Errichtung eines Glockenturmes nicht zu. Zudem waren die räumlichen Bedingungen bis weit in die 1990er Jahre durch mehr schlechte als rechte Kompromisslösungen gekennzeichnet. Noch heute gehen die Gottesdienstteilnehmer morgens durch stille Straßen, wenn sie zu ihrer Kirche kommen. Im Zuge der Kirchensanierungen nach 1990 entstanden an mehreren Orten neue Glockenanlagen. Dies strebt nun die Ev. Matthäusgemeinde ebenfalls an.

Im heutigen Zustand beherbergt das große Gebäude seit Anfang der 2000er Jahre zum größten Teil das Landeskirchliche Archiv der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, die Evangelische Kirchengemeinde besitzt im Erdgeschoß einen Kirchsaal mit 85 Plätzen, einen weiteren Gemeinderaum, Foyer, Büro und Funktionsräume, die alle in einem baulich sehr guten Zustand und barrierefrei erreichbar sind. Zur Gemeinde zählen ca. 850 Gemeindeglieder. Gottesdienste finden jeden Sonntag und an kirchlichen Feiertagen statt. Die Gemeindegliederentwicklung ist stabil, ebenso die Bevölkerungsentwicklung im Einzugsgebiet. Die Gemeinde gehört dem Ev. Kirchspiel Magdeburg-West an. Die gemeindlichen Belange werden durch einen sehr engagierten örtlichen Beirat getragen.

Warum eine neue Glockenanlage?

Es ist beinahe selbstverständlich, dass an den meisten Orten der Welt zu Kirchengebäuden Glocken gehören. Sie stiften die Identität des Versammlungsortes nach außen; diese sind an ihnen optisch und akustisch erkennbar. Für die Gemeinden ist das Geläut der Glocken der Ruf zum Gebet. Die Matthäusgemeinde möchte beides erreichen: in die Öffentlichkeit treten und zum Gebet einladen. Dass sich am Standort Freiherr-vom-Stein-Str. 45 überhaupt eine Kirche befindet, ist vielen Menschen unbekannt, auch solchen, die regelmäßig diese Straße passieren. Eine Glockenanlage stellt demgemäß ein Bekenntnis nach außen und zum kirchlichen Standort Matthäusgemeinde dar.

Die Gemeinde ist sich dabei bewusst, dass das religiöse Leben heute kein Privileg darstellt und Glockentürme deshalb nicht dazu geeignet sind, einen bestimmten Anspruch in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit zu unterstreichen, sondern dass Gebet und Gottesdienst eine notwendige Lebensäußerung in der Stadt sind, die Christen exemplarisch in der Gesellschaft und für sie wahrnehmen. Die gegenwärtige Zeit ist von zunehmender Beunruhigung und Verunsicherung geprägt, so erscheint es der Matthäusgemeinde dringlich, durch das Geläut zum Gebet für den Frieden einzuladen und durch das Gebet den Menschen im städtischen Umfeld einen Ort zu anbieten, an dem sie zur Ruhe und zum Frieden gelangen können. Deshalb ist die Anlage so konzipiert, dass sie den öffentlichen Raum diskret einbindet. Dies geschieht vor allem durch die Öffnung des Vorplatzes und die Begehbarkeit des Standorts als Kreuz- und Bibelgarten. Die Glockenanlage soll dem liturgischen Geläut gehören. Es umfasst keine Uhr mit Uhrschlag.

Das Glockenprojekt stellt sich für die Matthäusgemeinde zugleich als Folge einer intensiven Beschäftigung mit der Entstehungsgeschichte des Standorts Freiherr-vom-Stein-Str. 45 dar. Ein Großrelief an der Fassade zeigt noch gestalterische Elemente einer „deutschen Familie“, eine Fehlstelle im beigefügten Bibelzitat weist auf das nach 1945 ausgebrochene Hakenkreuz hin. Der Nationalsozialismus hat die Jahre 1935-1945 der Gemeinde stark geprägt, der Pfarrer im damaligen Sprengel Paulus-Ost war ein leidenschaftlicher Nationalsozialist gewesen. Als einer der wenigen ist er 1945 durch ein Lehrzuchtverfahren versetzt worden. Die Hintergründe dieser Geschichte sind durch eine eigens erarbeitete Ausstellung im Jahr 2015 erforscht und dokumentiert worden (pdf). Heute sucht die Matthäusgemeinde durch ihre evangelische Spiritualität und durch die Öffnung ihrer Räume einen eigenen Beitrag für das Zusammenleben im Magdeburger Stadtfeld zu leisten.

Das Projekt

Nachdem die Gemeinde im Jahr 2016 mit ihrem Projekt Neuerrichtung einer Glockenanlage begonnen hatte, konnten schnell kirchliche und kommunale Einrichtungen eingebunden und in Gesprächen untereinander dafür gewonnen werden: die Evangelische Landeskirche in Person des Glockensachverständigen, der Evangelische Kirchenkreis Magdeburg, das Landesamt für Denkmalpflege und das Stadtplanungsamt der Stadt Magdeburg. Mit Liebnerstadtfeld Architekten hat die Gemeinde ein Planungsbüro, das sich mit ausgezeichneten Ideen einbrachte. Gemeinsam konnte das Projekt so fortentwickelt werden. Der Gemeindekirchenrat beauftragte das Architekturbüro, die Planungen bis zu einer verlässlichen Kostenschätzung voranzutreiben. Ihm wurde im Ergebnis im Juni 2019 ein Gestaltungsentwurf für Glockenturm und Umfeldgestaltung sowie eine detaillierte Gewerkeplanung übergeben.

Parallel wurde in der Gemeindeöffentlichkeit ein großer Konsens zum Vorhaben selbst und zur Gestaltungsplanung hergestellt mit der Folge, dass bereits namhafte zweckgebundene Spenden zur Weiterarbeit ermutigten. Der Gemeindekirchenrat beschloss daraufhin im Juni 2019, das Projekt zu verwirklichen. Er ist sich darüber bewusst, dass das Vorhaben seine eigenen finanziellen Möglichkeiten überschreitet, ist aber überzeugt, aus kirchlichen Mitteln dazu einen wesentlichen finanziellen Betrag bereitstellen zu können, so dass nunmehr eine solide Finanzierungsplanung vorgelegt werden kann.

Der Entwurf

Alle am Projekt Beteiligten waren sich schnell einig, dass eine neue Glockenanlage sowohl in Entsprechung zu als auch in Kontrast mit dem vorhandenen Gebäude stehen sollte. Dies schloss selbstverständlich eine schlichte, zurückhaltende Gestaltung ein. Auch der Standort konnte zügig gefunden und nach Voruntersuchungen präzisiert werden. Daraus ergab sich der vorgelegte, einmütig befürwortete Gestaltungsentwurf. Er sieht eine kreuzförmige Stahlkonstruktion vor, der gestalterisch wie statisch ein Kreuz eingefügt wird. Die Höhe des Glockenstuhls ergibt sich aus der Gebäudehöhe bis Traufe. Um die Anlage so schlicht wie möglich zu halten, wird für die Glocke selbst eine einfache Konstruktion mit Linearantrieb vorgesehen. Die Tonhöhe der Glocke wird auf c“ festgelegt, die Glocke soll in mittlerer Rippendicke ausgeführt werden, so das sich daraus ein grundtöniger Klang ergibt. Fa. Bachert ist für eine qualitätsvolle Ausführung dieser Klangvorstellung bekannt.

Der Kreuz- und Bibelgarten ist ebenso schlicht geplant, zum einen, um Ressourcen zu schonen, zum anderen, um ein stimmiges Gesamtbild zu gewinnen. Der Gemeinde ist es wichtig, möglichst viel Grün zu erhalten und das Areal zugleich für die Öffentlichkeit einladend begehbar zu gestalten. Dass dabei auch 2 Bäume weichen müssen, ist nicht nur der künftigen Gestaltung geschuldet, sondern auch der Tatsache, dass sie vor einigen Jahren ohne Wissen um eine in unmittelbarer Nähe befindliche Gasleitung gepflanzt wurden, die durch Wurzelwerk in absehbarer Zeit beschädigt werden könnte. Dagegen wurde ein 3. Baum an der Ostseite, der durch seinen besonders schönen Wuchs auffällt, in die Planung einbezogen. Sitzmauern mit Holzauflagen sowie eine einfache Bepflanzung sollen zum Verweilen einladen.

Wir sind der Überzeugung, dass sich dieser Gestaltungsentwurf sehr gut in das Umfeld der Freiherr-vom-Stein-Straße einfügt und dieses sogar aufwertet. Ebenso sind wir davon überzeugt, dass die Matthäuskirche ein Ort ist, der noch mehr zur Identifikation mit dem städtischen Umfeld rund um den Westernplan beitragen kann. Außerdem ist uns die Verpflichtung bewusst, die sich aus der Fortentwicklung des kirchlichen Lebens als authentischer Lebensäußerung im städtischen Leben mit seiner besonderen Ausstrahlung ergibt.

Reinhard Simon

Magdeburg, den 25.06.2019

Gern können sie sich auch mit einer Spende an unserem Glockenprojekt beteiligen.
Diese kann unter dem Stichwort:
RT 19 Glocke Matthäus
auf das Konto der KD-Bank, IBAN DE69 3506 0190 1562 3080 20, überweisen werden.

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