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Geschichte

Als im ausgehenden 19. Jahrhundert die damals außerhalb der Verteidigungsanlagen liegende Wilhelmstadt aus dem Boden schoss, wurde bald absehbar, dass hier eine eigene Kirchengemeinde entstehen sollte. Im Oktober 1896 wurde dann für sie die Pauluskirche eingeweiht.

Sie hat die Form einer zweischiffigen unregelmäßig gewölbten Hallenkirche mit Orgel- und Seitenempore. Mit dem repräsentativen, der Stadt zugewandten Turm an der Ostseite und einem mehreckigen Gebäudeabschluss im Westen scheint sie verkehrt herum zu stehen. Im Innern jedoch ist sie mit dem Altar nach Osten ausgerichtet („orientiert“) - ein seltsamer Widerspruch zwischen bürgerlicher und geistlicher Orientierung.

Bei der umfassenden Restaurierung Anfang der 2000er Jahre wurde die Kirche weitgehend in den Originalzustand zurückversetzt. Ausnahmen sind die liturgischen Hauptorte Altar, Taufstätte und Kanzel/Pult, die neu geschaffen wurden. In den Jahren 2014 - 2019 wurde die Kirche einer Außensanierung unterzogen, bei der auch die großen Turmfenster durch den Wiedereinbau von Maßwerk und Verglasung vervollständigt werden konnten. Seither erstrahlt die Kirche in dem typisch hellen Glanz der Kalk- und Sandsteinfassade.

Die romantische Orgel mit 30 Registern hat W. Rühlmann, Zörbig, 1896 gebaut, sie gilt als eine der besten des mitteldeutschen Meisters. Dass Kirchenschiff wurde einst von sechs farbigen Fenster geschmückt. Durch die Kriegseinwirkungen blieben nur die drei Südfenster erhalten. Sie zeigen „Jesus und Nikodemus“, „Jesus und die Samariterin“ sowie (wahrscheinlich) „Jesus und den reichen Jüngling“.

Im Altarraum befindet sich ein ursprünglich 16 Meter langer Wandteppich, seinerzeit in Handarbeit von Frauen der Gemeinde gefertigt und vor Jahren von Pfarrer Dietrich Warner vor der Entsorgung gerettet. Die beiden mittleren Felder, vom Kirchenraum her links und rechts neben dem Kruzifix erkennbar, stellen Christus mit der Siegesfahne sowie Maria Magdalena dar, die Christus gemäß biblischem Zeugnis als Erste nach seiner Auferstehung begegnet ist und daher als erste Auferstehungszeugin gelten darf. (siehe Titelbild)

Im Turmgeschoss wurde 1921 eine Gedenkkapelle für die im 1. Weltkrieg umgekommenen 706 Soldaten aus dem Magdeburger Stadtfeld eingerichtet. Hier wird die wechselvolle Geschichte der Paulusgemeinde rekonstruierbar. Diese Kapelle, ein Gegenstück zum Barlach-Mahnmal im Magdeburger Dom, wurde 2018 künstlerisch neu gestaltet und dient seither als Ort unter anderem für Besinnung und Friedensgebete. Weitere Informationen dazu finden Sie in einer Dokumentation (pdf).

2015 wurde ein Foyer als separater Baukörper an die Kirche angefügt, das für eigene Veranstaltungen genutzt wird und als Servicebereich während der Konzerte dient.